Beziehung

Geistlicher Impuls April 2025

von Sabine Rhein, Referat Orden

 
Beziehung
 
Bei der diesjährigen Bundeskonferenz der Ordensreferentinnen und -referenten nahmen zwei Patres aus dem „Dikasterium für die Institute des geweihten Lebens“ des Vatikans als Gäste teil. Von Anfang an war ich überrascht und beeindruckt von der Art, wie die beiden miteinander und mit den anderen Teilnehmenden der Tagung umgingen: beziehungsorientiert, zuhörend, authentisch, humorvoll und gleichzeitig klar und professionell in der Sache. Mehrere Kolleginnen und Kollegen auf der Konferenz äußerten in Seitengesprächen einen ähnlichen Eindruck.
 
Mich beschäftigte das Auftreten der beiden Patres sehr und nach einigem Zögern (man spricht ja nun nicht täglich mit Führungspersonen des Vatikans…) sprang ich über meinen Schatten und sprach einen der beiden an. Ich spiegelte ihm, dass mich seine zugewandte, Freude ausstrahlende und zugleich professionelle Grundhaltung berührt – dass ich persönlich glaube, dass so eine Grundhaltung Ausgangspunkt jeglicher theologischer wie struktureller Zukunftsschritte der Kirche ist – und ich mich frage, ob genau das vielleicht eine der Grundideen von Papst Franziskus für die Weltsynode war und ist. Der Pater strahlte. Und antwortete (sinngemäß): „Ich schätze Ihre Rückmeldung. Ich freue mich! Ich stimme Ihnen ausdrücklich zu. Beziehung von Mensch zu Mensch, in Einfachheit, Freude und einer hörenden Haltung… Beziehung! Wir in der Kirche haben sehr unterschiedliche Meinungen – menschliche Beziehung ist die Basis, auf der wir über unsere unterschiedlichen Meinungen sprechen und daran arbeiten können.“
 
In seinem Schlusswort am Ende der Konferenz wandte sich der Pater an alle Teilnehmenden: „Wir laden Sie herzlich ein, nach Rom zu kommen. Besuchen Sie uns im Dikasterium. Kommen Sie bitte nicht nur mit Problemen. Sie können auch einfach so kommen – bei uns gibt es Kaffee und Schokolade.“ In den 70 Seiten des synodalen Abschlussdokumentes „Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung“ steht insgesamt 65mal das Wort „hören“ und 94mal das Wort „Beziehung“.
 
Seit der Begegnung mit dem Pater stelle ich mir neu die Frage: Was ist mein Beitrag, um in Zeiten größer werdender pastoraler Räume ganz konkret „Räume des Hörens“, „Beziehungs-Räume“ zu eröffnen?