Frühling – Wachstumszeit!?

Geistlicher Impuls Mai 2025

von Ekkehart Bechinger, Direktor Geistliches Zentrum St. Peter 

 
In diesen Wochen erleben wir die Natur in ihrer ganzen Kraft: Wachstum, Blüte, Farbenrausch, Ernte der ersten Früchte. Die Tage sind heller, die Sonne intensiver – Keimzeit! Jedoch: Natur- und Wetterkundige weisen uns schon länger daraufhin, dass die Jahreszeiten, wie wir sie kennen, sich zunehmend auflösen: Sommertage bereits im Mai, die zu frühe Blüte von Obstbäumen, aber auch der zu milde Winter und der ausbleibende Schnee machen Sorgen, gefährden das Gleichgewicht. Dabei ist jede Jahreszeit notwendig und trägt zum Wohl des Ganzen bei. Einer, der diese Erkenntnis auch auf das eigene geistliche Leben übertragen hat, war der Priester Peter Faber, der als Gefährte von Ignatius von Loyola ein Mitbegründer des Jesuitenordens war. In seinem Tagebuch schreibt er am 1. Januar 1543 diesen Wunsch:
 
Es möge in meiner Seele geistlicherweise vier Jahreszeiten geben: erst einen geistlichen Winter, der die Gotteskeime, die ins Erdreich meiner Seele gesenkt sind, hegt und Wurzeln fassen lässt; dann einen geistlichen Frühling, damit mein Erdreich seinen Samen aufsprießen lasse; drittens einen geistlichen Sommer, der die Früchte zu bester Ernte heranreifen lässt; viertens einen geistlichen Herbst, um die reifen Früchte zu sammeln, sie in die göttlichen „Scheunen einzufahren“ (Mt 13,30) und sie aufzuspeichern, „dass nichts verloren gehe“ (Joh 6,12).
 
Schön wärs! – so mögen nun manche denken. Unser Glaube kennt selten dieses geordnete Nacheinander, das vom Keimen bis zur Ernte in gerader Linie läuft. Und dennoch: die Merkmale eines geistlichen Weges beschreibt Peter Faber treffend und gut. Wenn Sie das nächste Mal draußen unterwegs sind, schauen Sie doch mal genauer hin: Sie werden entdecken, dass es auch jetzt im Frühling Früh- und Spätblütler gibt, Keime und Früchte, frisches Grün und braunes Geäst. Und dann spüren Sie in sich hinein: wie ist es bei mir, in welcher Jahreszeit (er)lebe ich meinen Glauben, heute und jetzt?