Kirche im Großen und Kleinen
Geistlicher Impuls Oktober 2024
In unserer Seelsorgeeinheit pflegen wir gute ökumenische Kontakte. Bei unseren ökumenischen Treffen der Hauptamtlichen ist auch der Pastor der Freikirche dabei. Es ist ein fruchtbares Miteinander, das uns guttut, weil wir nach außen gemeinsam Zeugnis geben für unseren Glauben. Dies geschieht etwa im ökumenischen Gottesdienst beim Stadtfest oder bei den Friedensgebeten. Daraus entstand die Einladung, dass eine Person aus unserem Pastoralteam einmal zum Predigen in die Freikirche kommen sollte. Und das war ich.
von Raimund Stockinger, Gemeindereferent und Geistlicher Prozessbegleiter
Kirche im Großen und Kleinen
In unserer Seelsorgeeinheit pflegen wir gute ökumenische Kontakte. Bei unseren ökumenischen Treffen der Hauptamtlichen ist auch der Pastor der Freikirche dabei. Es ist ein fruchtbares Miteinander, das uns guttut, weil wir nach außen gemeinsam Zeugnis geben für unseren Glauben. Dies geschieht etwa im ökumenischen Gottesdienst beim Stadtfest oder bei den Friedensgebeten. Daraus entstand die Einladung, dass eine Person aus unserem Pastoralteam einmal zum Predigen in die Freikirche kommen sollte. Und das war ich.
Der Sonntagvormittag in der Freikirche bestand aus drei Teilen: Predigt – Lobpreis – Begegnung bei Kaffee und Gebäck. Zu meinem Erstaunen stellte ich bei den Kaffeegesprächen nach dem Gottesdienst fest, dass die meisten Mitglieder der Freikirche Katholiken bzw. ehemalige Katholiken waren. Manche sind auch zweigleisig unterwegs. Auch war eine junge Frau dabei, die ich von ihrem Engagement für unseren Krabbelgottesdienst kenne. Sie wollte einfach mal reinschnuppern.
Mein Eindruck ist, dass die Menschen in der Freikirche etwas suchen bzw. gefunden haben, was sie in der katholischen Kirche so nicht finden. Wir haben eine Tendenz, in der Größe der Gemeinden unpersönlich und beziehungslos zu werden. Für mich waren diese Begegnungen ein Zeichen von „Oben“, wie wichtig es ist, eine einladende, persönliche Atmosphäre zu schaffen. Haben wir den Blick auf die vielen Menschen, die vielleicht noch zur Kirche gehören, aber sich nicht mehr angesprochen fühlen? Wir haben viele Möglichkeiten. Durch die Einrichtung unserer zukünftigen Großpfarreien ist es umso wichtiger, Oasen im Kleinen zu stärken, in denen Kirche lebendig ist, wo ganzheitlich Gemeinschaft gelebt wird. Dass große Gemeinden lebendig sein können, zeigt die wohl größte Gemeinde weltweit, die es in Seoul in Südkorea gibt. Obwohl sie um die 500.000 Mitglieder hat, scheint sie sehr lebendig zu sein, weil sich viele Mitglieder – ähnlich wie in der Freikirche – wöchentlich in kleinen Glaubensgruppen treffen und dort Kraft für den Alltag schöpfen.
Viele Gemeinden bei uns machen sich auf einen guten Weg. Ich entdecke viele kreative Beispiele, die Menschen neugierig machen, mal wieder vorbeizuschauen und sich von der Begegnung mit Gott und den Menschen positiv überraschen zu lassen. Wir sollten also gut hinschauen: Was geschieht in „meinen“ Gemeinden schon in diese Richtung? Und wo können wir Kirche im Kleinen fördern und stärken?