„Vom Starren zum Sternestaunen“
Geistlicher Impuls Juli 2024
von Tobias Aldinger, Mitglied der K2030-Koordinationsgruppe „Prozesse geistlich gestalten“
„Vom Starren zum Sternestaunen“
Im Sommer 2023 durfte ich eine Woche das Familienprogramm von Taizé mit meinen Kindern erleben. Ein Highlight: Wir haben eine Nacht unter dem Sternenhimmel statt im Zelt übernachtet.
Wer im Zelt bleibt, erfährt Geborgenheit, schläft im Vertrauten. Unter freiem Himmel geht es etwas ungeschützter zu: Man kann aufs feuchte Gras rollen, Mücken machen einem zu schaffen, die Wetter-App sollte mit ihrer trockenen Prognose richtigliegen. Doch dafür erlebst du etwas Staunenswertes. Und du darfst dich vom Himmelszelt zudecken lassen. Dieses kaum beschreibbare Gefühl hängt nicht nur mit dem Funkelglanz der Sterne zusammen. Auch nicht nur mit dem Reiz des Ungewöhnlichen. Es war mir, als ob der ganze Kosmos zum Freund wird. Das „Himmelszelt“ ist dein Zuhause.
Der biblische Dauercamper Abraham erlebte das vielleicht ähnlich in Gen 15. Abraham wird in seinem Zelt von Gottes ermutigendem Wort besucht: „Fürchte dich nicht, Abraham…“ Da platzt es aus Abraham heraus: „Was kannst du mir geben!?“ (Gen 15,2) Er hat schon unzählige Male Gottes Verheißungen erhalten, aber kann in damaligen Kategorien kein glückliches – weil kinderloses – Leben vorweisen. Abraham kreist um seine Gedanken, fragt Gott in seiner Traurigkeit an.
Da heißt es im Text: „[Gott] führte ihn hinaus…“ (Gen 15,5) – Raus aus dem Zelt, vielleicht auch raus aus seinem eigenen Gedankenkarussell. Und Gott sprach: „Sieh doch zum Himmel hinauf und zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst! Und er sprach zu ihm: So zahlreich werden deine Nachkommen sein. Und [Abraham] glaubte dem HERRN und das rechnete er ihm als Gerechtigkeit an.“ (Gen 15,5-6)
Ist das nicht genau die Glaubensstärke und Gerechtigkeit Abrahams: „Ich kann das Größere sehen, in das mein Leben eingebettet ist. Ich entdecke mein Staunen über das Leben wieder. Und lass meine Sehnsucht nach dem Größeren wachrütteln.“
Schon interessant, dass das lateinische Wort für Sehnsucht „Desiderium“ die Wortmitte „Sidera“ (=Sterne) in sich birgt. Und dass das Wort siderare „starren“ bedeutet und de-siderare also auch übersetzt werden könnte als „Weg-Starren“ oder „den starren Blick abwenden“… Vielleicht hilft uns der Blick in die Weite des Himmels, unser fixiertes Starren loszulassen und uns an unsere tiefe Sehnsucht und Verbundenheit mit Gott und allem Leben zu erinnern.
Für unsere Urlaubstage und für alle Prozesse der Kirchenentwicklung wünsche ich uns dies und bete darum: Dass wir unsere Tunnelblicke aufweichen. Dass wir nicht gelähmt auf Probleme und Bedenken starren, sondern uns gegenseitig und von Gott ins Staunen führen lassen.
Wer im Zelt bleibt, erfährt Geborgenheit, schläft im Vertrauten. Unter freiem Himmel geht es etwas ungeschützter zu: Man kann aufs feuchte Gras rollen, Mücken machen einem zu schaffen, die Wetter-App sollte mit ihrer trockenen Prognose richtigliegen. Doch dafür erlebst du etwas Staunenswertes. Und du darfst dich vom Himmelszelt zudecken lassen. Dieses kaum beschreibbare Gefühl hängt nicht nur mit dem Funkelglanz der Sterne zusammen. Auch nicht nur mit dem Reiz des Ungewöhnlichen. Es war mir, als ob der ganze Kosmos zum Freund wird. Das „Himmelszelt“ ist dein Zuhause.
Der biblische Dauercamper Abraham erlebte das vielleicht ähnlich in Gen 15. Abraham wird in seinem Zelt von Gottes ermutigendem Wort besucht: „Fürchte dich nicht, Abraham…“ Da platzt es aus Abraham heraus: „Was kannst du mir geben!?“ (Gen 15,2) Er hat schon unzählige Male Gottes Verheißungen erhalten, aber kann in damaligen Kategorien kein glückliches – weil kinderloses – Leben vorweisen. Abraham kreist um seine Gedanken, fragt Gott in seiner Traurigkeit an.
Da heißt es im Text: „[Gott] führte ihn hinaus…“ (Gen 15,5) – Raus aus dem Zelt, vielleicht auch raus aus seinem eigenen Gedankenkarussell. Und Gott sprach: „Sieh doch zum Himmel hinauf und zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst! Und er sprach zu ihm: So zahlreich werden deine Nachkommen sein. Und [Abraham] glaubte dem HERRN und das rechnete er ihm als Gerechtigkeit an.“ (Gen 15,5-6)
Ist das nicht genau die Glaubensstärke und Gerechtigkeit Abrahams: „Ich kann das Größere sehen, in das mein Leben eingebettet ist. Ich entdecke mein Staunen über das Leben wieder. Und lass meine Sehnsucht nach dem Größeren wachrütteln.“
Schon interessant, dass das lateinische Wort für Sehnsucht „Desiderium“ die Wortmitte „Sidera“ (=Sterne) in sich birgt. Und dass das Wort siderare „starren“ bedeutet und de-siderare also auch übersetzt werden könnte als „Weg-Starren“ oder „den starren Blick abwenden“… Vielleicht hilft uns der Blick in die Weite des Himmels, unser fixiertes Starren loszulassen und uns an unsere tiefe Sehnsucht und Verbundenheit mit Gott und allem Leben zu erinnern.
Für unsere Urlaubstage und für alle Prozesse der Kirchenentwicklung wünsche ich uns dies und bete darum: Dass wir unsere Tunnelblicke aufweichen. Dass wir nicht gelähmt auf Probleme und Bedenken starren, sondern uns gegenseitig und von Gott ins Staunen führen lassen.