An seinem Platz sein
Geistlicher Impuls September 2023
von Monika Rohfleisch, Dekanatsreferentin Kraichgau
Literaturangabe: Claire Marin, An seinem Platz sein. Wie wir unser Leben und unseren Körper bewohnen.
Titel der französischen Originalausgabe: Etre à sa place. Habiter sa vie, habiter son corps, 2022.
An seinem Platz sein
Haben Sie das Gefühl, jetzt nach dem Sommer, an „Ihrem“ Platz zu sein? Den Ihnen gemäßen Platz wieder einzunehmen? Oder ihn – in gewohnter Umgebung oder in neuem Umfeld – ganz neu entdecken, finden und gestalten zu wollen? Vielleicht kennen Sie das Gefühl, „am richtigen Platz“ zu sein. Vielleicht hatte der Sommer Momente für Sie bereit, in denen Sie dies erleben konnten. Die Erfahrung: Es ist gut so. Es stimmt. Hier kann ich sein. Vielleicht war Ihnen der Alltag zu klein, zu drückend geworden – und der Sommer hat Ihnen ein neues Gefühl dafür geschenkt, wie es sich anfühlt, wirklich „am eigenen Platz“ zu sein.
Wenn Sie wiederkommen, blicken Sie möglicherweise mit neuen Augen auf Ihre Räume, Begegnungen, Ihre Wirkungskreise und Zuständigkeiten, auf die Menschen. Erscheint Ihnen Ihre Wohnung, Ihr Büro kleiner und voller als vorher? Möchten Sie manches frei machen, umräumen im wörtlichen oder übertragenen Sinn? Damit Sie auch da, wo Sie diesen Herbst und Winter sein werden, Platz für sich (und Andere) haben, um sein zu können? Wenn Sie auf die Veränderungen schauen, die Kirchenentwicklung 2030 mit sich bringt in Ihrem konkreten Umfeld: Wo sehen Sie sich da am „richtigen Platz“? Und wo ermöglichen Sie Menschen, „ihren“ Platz zu finden, einzunehmen, zu gestalten? Vielleicht wissen Sie auch, dass Sie einen Platz, den Sie mit Ihrer Begabung, Ihren Talenten, mit Ihrem Herz und Verstand geschaffen, gestaltet und für andere dienstbar und fruchtbar gemacht haben, verlassen müssen im Laufe der Kirchenentwicklung 2030. Weil es Ihren Platz nicht mehr geben wird. Oder weil Sie schlicht schon lange Berufsjahre im Gebiet der Pfarrei neu verbracht haben.
Dieses Gefühl, den eigenen Platz wider Willen verlassen zu müssen oder ihn vernichtet zu sehen, kann Wut, Unsicherheit, Vertrauensverlust, Angst auslösen. Es kann Entsolidarisierung auslösen zwischen denen, die sich verändern müssen und denen, die dies vermeintlich nicht müssen. Zumal der „richtige Platz“ in einer Welt ständiger Veränderung, wie die französische Philosophin Claire Marin sagt, heute die Zugehörigkeit bedeutet, die früher die Beheimatung in einem Stand oder einer sozialen Klasse bedeutete.
In ihrem Buch „An seinem Platz sein. Wie wir unser Leben und unseren Körper bewohnen“ beschreibt Claire Marin unsere gegenwärtige Existenz als ein ständiges „Dazwischen“: „Wir stehen niemals still, selbst, wenn wir uns auf unseren Reisen manchmal nicht von der Stelle bewegen und die Ferne in unserem Innern liegt“.
In dieser Offenheit des „ständigen Dazwischen“ erfährt sie Freisetzung: „Weil es passieren kann, dass wir plötzlich von einem Platz fortgerissen werden, von dem wir glaubten, wir hätten ihn bewusst und mit Freude gewählt. Dieser Platz schien uns sicher, wir hatten ihn uns doch verdient – nicht ohne eine gewisse Blindheit für den Anteil des Zufalls, der uns dorthin verschlagen hatte. Wenn ich durch ein Ereignis oder eine Katastrophe erschüttert werde und dadurch meinen angestammten Platz verliere, erkenne ich womöglich, wie sehr ich dort eingeschränkt und gefangen war. Paradoxerweise setzt dieser erzwungene Ortswechsel mehr frei, als er mir nimmt. Wir sind vielleicht gar nicht immer in der besten Position, um sagen zu können, wo wir hingehören.“ „Manchmal akzeptieren wir Plätze, die uns mehr einschränken, als wir meinen, die uns zu eng sind, weil wir glauben, dass sie für uns bestimmt sind. Mit welchen Gründen, nach welcher Logik reden wir uns am Ende selbst ein, dass uns ein offensichtlich zu kleiner Platz trotz allem angemessen ist?“
In der aktuellen Zeit des „Dazwischen“, der Aufgabe von Plätzen, des Suchens und Findens, des Ermöglichens und Gestaltens von neuen Plätzen wünsche ich Ihnen Entdeckermut und inneren Raum, um in aller Beweglichkeit Den, Der da ist, als Den zu erfahren, Der mitgeht und mit Ihnen und Anderen „Ihren Platz“ entstehen lässt. Und uns allen ein solidarisches Miteinander in unseren Übergängen an unseren unterschiedlichen und unterschiedlich bewegten Plätzen.
Haben Sie das Gefühl, jetzt nach dem Sommer, an „Ihrem“ Platz zu sein? Den Ihnen gemäßen Platz wieder einzunehmen? Oder ihn – in gewohnter Umgebung oder in neuem Umfeld – ganz neu entdecken, finden und gestalten zu wollen? Vielleicht kennen Sie das Gefühl, „am richtigen Platz“ zu sein. Vielleicht hatte der Sommer Momente für Sie bereit, in denen Sie dies erleben konnten. Die Erfahrung: Es ist gut so. Es stimmt. Hier kann ich sein. Vielleicht war Ihnen der Alltag zu klein, zu drückend geworden – und der Sommer hat Ihnen ein neues Gefühl dafür geschenkt, wie es sich anfühlt, wirklich „am eigenen Platz“ zu sein.
Wenn Sie wiederkommen, blicken Sie möglicherweise mit neuen Augen auf Ihre Räume, Begegnungen, Ihre Wirkungskreise und Zuständigkeiten, auf die Menschen. Erscheint Ihnen Ihre Wohnung, Ihr Büro kleiner und voller als vorher? Möchten Sie manches frei machen, umräumen im wörtlichen oder übertragenen Sinn? Damit Sie auch da, wo Sie diesen Herbst und Winter sein werden, Platz für sich (und Andere) haben, um sein zu können? Wenn Sie auf die Veränderungen schauen, die Kirchenentwicklung 2030 mit sich bringt in Ihrem konkreten Umfeld: Wo sehen Sie sich da am „richtigen Platz“? Und wo ermöglichen Sie Menschen, „ihren“ Platz zu finden, einzunehmen, zu gestalten? Vielleicht wissen Sie auch, dass Sie einen Platz, den Sie mit Ihrer Begabung, Ihren Talenten, mit Ihrem Herz und Verstand geschaffen, gestaltet und für andere dienstbar und fruchtbar gemacht haben, verlassen müssen im Laufe der Kirchenentwicklung 2030. Weil es Ihren Platz nicht mehr geben wird. Oder weil Sie schlicht schon lange Berufsjahre im Gebiet der Pfarrei neu verbracht haben.
Dieses Gefühl, den eigenen Platz wider Willen verlassen zu müssen oder ihn vernichtet zu sehen, kann Wut, Unsicherheit, Vertrauensverlust, Angst auslösen. Es kann Entsolidarisierung auslösen zwischen denen, die sich verändern müssen und denen, die dies vermeintlich nicht müssen. Zumal der „richtige Platz“ in einer Welt ständiger Veränderung, wie die französische Philosophin Claire Marin sagt, heute die Zugehörigkeit bedeutet, die früher die Beheimatung in einem Stand oder einer sozialen Klasse bedeutete.
In ihrem Buch „An seinem Platz sein. Wie wir unser Leben und unseren Körper bewohnen“ beschreibt Claire Marin unsere gegenwärtige Existenz als ein ständiges „Dazwischen“: „Wir stehen niemals still, selbst, wenn wir uns auf unseren Reisen manchmal nicht von der Stelle bewegen und die Ferne in unserem Innern liegt“.
In dieser Offenheit des „ständigen Dazwischen“ erfährt sie Freisetzung: „Weil es passieren kann, dass wir plötzlich von einem Platz fortgerissen werden, von dem wir glaubten, wir hätten ihn bewusst und mit Freude gewählt. Dieser Platz schien uns sicher, wir hatten ihn uns doch verdient – nicht ohne eine gewisse Blindheit für den Anteil des Zufalls, der uns dorthin verschlagen hatte. Wenn ich durch ein Ereignis oder eine Katastrophe erschüttert werde und dadurch meinen angestammten Platz verliere, erkenne ich womöglich, wie sehr ich dort eingeschränkt und gefangen war. Paradoxerweise setzt dieser erzwungene Ortswechsel mehr frei, als er mir nimmt. Wir sind vielleicht gar nicht immer in der besten Position, um sagen zu können, wo wir hingehören.“ „Manchmal akzeptieren wir Plätze, die uns mehr einschränken, als wir meinen, die uns zu eng sind, weil wir glauben, dass sie für uns bestimmt sind. Mit welchen Gründen, nach welcher Logik reden wir uns am Ende selbst ein, dass uns ein offensichtlich zu kleiner Platz trotz allem angemessen ist?“
In der aktuellen Zeit des „Dazwischen“, der Aufgabe von Plätzen, des Suchens und Findens, des Ermöglichens und Gestaltens von neuen Plätzen wünsche ich Ihnen Entdeckermut und inneren Raum, um in aller Beweglichkeit Den, Der da ist, als Den zu erfahren, Der mitgeht und mit Ihnen und Anderen „Ihren Platz“ entstehen lässt. Und uns allen ein solidarisches Miteinander in unseren Übergängen an unseren unterschiedlichen und unterschiedlich bewegten Plätzen.